Gemeinwohlökonomie - Perfektion in der Nische?

Veröffentlicht am 17.10.2021 in Kreisverband

Betriebstemperatur war schnell erreicht: Dr. Herbert Zinell als Moderator hatte Schwerstarbeit zu leisten, geizten doch Teilnehmer*innen und Referenten beim GWÖ- Seminar des SPD- Kreisverbands Rottweil und der NeckarWerkstatt Sulz GmbH nicht mit provokanten Thesen. Zunächst hob Josef Mikus von "Denkwende" Konstanz anhand eindringlicher Zahlen auf die Notwendigkeit ab, den gegenwärtig herrschenden Raubtierkapitalismus abzuschaffen. Statt - weltweit gesehen - sozialer Spaltung und Zerstörung unserer Lebensgrundlagen im Namen des Profits für einige wenige Steinreiche und des Wohlstands für die Minderheit der Weltbevölkerung in den "entwickelten" Ländern brauche es ein Wirtschaften, das sich ökologisch und sozial verantwortlich verhält.

 

Diplomkaufmann Klaus Eisenhart in der Rolle des Widerparts hielt dagegen: Philosophisch fragwürdig, betriebswirtschaftlich schwer gegen Widerstände durchzusetzen und volkswirtschaftlich eher eine Einladung zur weiteren Konsumentenverhöhnung, anfällig für Bestechung in einem geschlossenen System von gegenseitig abhängigen Gutachtern und Begutachteten, sei die Gemeinwohlökonomie immer noch zu sehr gut gemeint als gut gemacht.

 

In zwei Gruppen schienen sich die verschiedenen Positionen zunächst sogar eher auseinanderzuentwickeln. Nicht nur, dass manchmal gar bezweifelt wurde, ob uns überhaupt genug Zeit für Reformen bliebe. Nachdrücklich wurde die Forderung erhoben, statt über ein völlig utopisches System doch über die Weiterentwicklung der Sozialen Marktwirtschaft zu diskutieren. Schließlich seien viele Forderungen der GWÖ auch für ganz "normale" Betriebe sinnvoll und sogar hilfreich. Und man habe sich in der Bundesrepublik mit Lieferketten-, Tariftreue- und Mindestlohngesetz schon deutlich in Richtung einer Reform bewegt. Aber im Zweifel, wurde vorgetragen, sei die Macht des Kapitals eben doch größer als die der Konsumenten. Zwar mache die anstehende Koalition Mut. Aber was gilt für die Weltwirtschaft? Und dagegen: die GWÖ sei ja auch noch lange nicht global umgesetzt. Hin und her. Es schien ein bisschen aussichtslos.

 

Rettung kam ausgerechnet aus der Ecke des Widerparts. Klaus Eisenhardt hatte zu Beginn auf die Alternative hingewiesen, der sich alle Minderheiten gegenübersehen: Soll man sich in der Nische einrichten oder in der Breite in die Gesellschaft hineinwirken, auf die Gefahr hin, die eigene reine Lehre zu verwässern? So einigte man sich darauf, dass alle unterstützen könnten, was zwischen zwischen GWÖ- und fortschrittlichen Nicht- GWÖ- Ökonomen als notwendige Reformen anerkannt sei, wie menschenwürdige Produktionsbedingungen, mehr Mitbestimmung,  Schutz der natürlichen Grundlagen und die Förderung des ökologischen Verhaltens der Mitarbeiter. Sozusagen als Basis. Und auf dieser Grundlage aufbauend,  verfolgen die, die mehr wollen, darüberhinaus beispielsweise den ethischen Einsatz von Kapital, akzeptable Einkommensspreizung und die Produktion und den Vertrieb nur solcher Produkte, die gesellschaftlich und für die Umwelt Sinn machen.

 

Gesellschaftlich und für die Umwelt macht die "NeckarWerkstatt GmbH für Menschen mit Behinderung" schon heute Sinn. Geschäftsführerin Nadja Keucher stellte ihren Betrieb vor und führte in der Mittagspause durch die Produktionsstätten. Größtes Anliegen sei mittelfristig eine Einrichtung des betreuten Wohnens. Anwesende Kommunalpolitiker*innen spitzten die Ohren.

 

Wie sehr die NeckarWerkstatt schon an der GWÖ interessiert ist, zeigt sich auch daran, dass sie als Tagungsort für die Gruppe in einem halben Jahr wieder bereit steht. Dann soll eine erste Bilanz gezogen werden.

 
 

Homepage SPD-Kreisverband Rottweil

Kalenderblock-Block-Heute

Alle Termine öffnen.

15.12.2021, 14:00 Uhr - 19:00 Uhr SPD Schramberg: Rentnerwanderer sind unterwegs

Alle Termine

Besucher

Besucher:170730
Heute:49
Online:1

Wetter-Online

Facebook SPD Oberndorf

Facebookseite von der SPD Oberndorf