SPD informiert sich bei Stadtwerken über die Auswirkung der Gaskrise auf die Schramberger Bevölkerung

Veröffentlicht am 04.08.2022 in Ortsverein

Die Schramberger SPD hatte zu einem Informationsbesuch bei den Stadtwerken Schramberg eingeladen.

„Wir wollen wissen, wie sich die Gaskrise auf die Schramberger Bevölkerung auswirken wird und wie man bereits jetzt gegensteuern kann.“ Mit dieser Leitfrage, die sich aber auch um die Versorgung mit Strom und Wasser drehte, machte sich die Schramberger SPD mit ihrem Ortsvereinsvorsitzenden Mirko Witkowski und zahlreichen Gästen aus der Fraktion und aus umliegenden SPD-Ortsvereinen auf den Weg zu den örtlichen Stadtwerken. Dort wurde die Gruppe von Stadtwerkechef Peter Kälble beim Ortstermin in Empfang genommen.

Der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Mirko Witkowski gab den roten Faden mit einem von ihm vorbereiteten Fragenkatalog vor. Stadtwerkechef Peter Kälble verstand es hervorragend, seine Antworten und Einschätzungen in einem informativen Vortrag mit einem Einblick in die Aufgaben und die Organisation der Schramberger Stadtwerke zu verknüpfen.

Schnell kam man beim Vortrag zu den drängenden Fragen in der Energieversorgung. So wollten die Genossinnen und Genossen wissen, ob Heizen in Schramberg zum Luxus wird und wie sicher unsere Gas- und Wasserversorgung in der aktuellen Krise ist. Auch ging es um die Stromproduktion der Zukunft und wie die Stadtwerke zu den so genannten Balkonkraftwerken stehen.

In der Frage nach der Gasversorgung zeigte sich der Stadtwerke Chef verhalten optimistisch, dass es eventuell nicht zur befürchteten Notfallstufe kommen wird. Zur Situation in Schramberg erklärte Kälble der Gruppe: „Die Stadtwerke haben gut gewirtschaftet und rechtzeitig Gas gekauft, als es auf dem Markt noch günstiger war. Deshalb bleiben die Preise für Gas bis Jahresende aus unserer Sicht stabil. Allerdings hat die Politik die Weichen für eine Umlage gestellt, die voraussichtlich zum 1. Oktober 2022 eingeführt wird und die wir dann weitergeben müssen.“ Zudem räumte er ein, dass ab Januar spürbare Preiserhöhungen bevorstünden. Diese seien aber gottseidank wohl weitaus geringer als bei anderen Stadtwerken, die es nicht geschafft hätten, rechtzeitig und vorausschauend Gas einzukaufen.

Zur Vorbereitung auf den Herbst müsse seiner Ansicht nach alles außer den geschützten Einrichtungen, wie zum Beispiel Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen auf den Prüfstand. Auch öffentliche Gebäude, Wassertemperatur in Bädern und vieles mehr zähle für ihn dazu. Alle müssten begreifen, dass es ohne spürbare Einschnitte nicht gehe. „Jeder kann dazu beitragen, dass die Gasspeicher zum Winter hin gefüllt werden können. Es ist eben nicht so, dass es nicht auf Einzelne ankäme“, zeigte sich Kälble überzeugt. „Was wir jetzt sparen, steht im Winter zur Verfügung, weil Gas gespeichert werden kann, im Gegensatz zu Strom.“ Bei aller Dramatik blieb Kälble aber verhalten optimistisch, dass es nicht zur Notfallstufe und somit zur gelenkten Gaszuteilung kommen werde. Mit den Entscheidungen der Regierung zeigte sich Kälble zufrieden. Die Politik hat schnell wirksame und gute Entscheidungen getroffen.

Bezüglich der Zielplanung für grüne Energie sah Kälble die jetzigen Verhältnisse als „sehr spannend“ an. Die Planungen dafür dauerten viel zu lange. Als Beispiel nannte er Windkraftanlagen, von denen es bis 2030 doppelt so viele geben soll als momentan, „und dies in acht Jahren, also quasi morgen“ fügte er hinzu.

Das Thema Energiewende, als generationsübergreifender Marathonlauf ins Bild gesetzt, verdeutlichte, dass die Herausforderungen immens sind. Kälble war sich sicher, dass diese aber bewältigbar seien. „Es muss uns gelingen, die Bevölkerung mitzunehmen“, so der Stadtwerke-Chef. Dies sei ein entscheidender Faktor und erfordere viel Information und Kreativität.

Vom Gas zu den Mega-Trends in der Energiewirtschaft entwickelte sich schließlich das Gespräch. Dekarbonisierung, Diversifizierung und Dezentralisierung seien in der Energiewirtschaft nur einige Megatrends, die es zu bewältigen gilt.  

Die Schaffung einer kohlenstofffreien Wirtschaft, also eine Dekarbonisierung ist im Gange. Diversifizierung meint, dass neue Geschäftsfelder, zum Beispiel Wärmepumpentechnologie, erschlossen und alte abgelöst werden sollen. Eine Dezentralisierung bedeutet, dass Energieerzeugung in kleinen, in der Fläche verteilte Anlagen, erfolgen muss. Kälble bestätigte, dass die Stadtwerke Schramberg gegenüber der Stromeinspeisung privater Anlagebetreiber grundsätzlich positiv eingestellt seien, bei Altanlagen könne dies aber unter Umständen technisch nicht funktionieren. Ein erschwerender Faktor aller Bestrebungen sei aktuell die Rohstoffknappheit, die auch umrüstungswillige Bürger und Unternehmen ausbremse. Zum Beispiel sind Photovoltaikanlagen momentan kaum zu bekommen. Ein Nadelöhr sei außerdem das Elektrohandwerk, es fehlten viele Fachkräfte. Somit wurde auch die Frage beantwortet, ob die Schramberger Wohnungsbaugesellschaft nicht schnell Solaranlagen auf ihren Immobilien installieren könne.

Auch andere kritische Themen wurden angesprochen, so zum Beispiel warum im neuen Freibad in Tennenbronn keine Photovoltaik verbaut wurde. Hier verwies Kälble auf einen ausgefallenen Kooperationspartner und räumte ein, dass man sich darüber mittel- und langfristig Gedanken machen müsse. Auch die fehlende Isolierungsplane für das Schwimmbecken würde mit heutigem Wissen, trotz hoher Kosten, wohl eingeplant werden.

Die Frage, ob Schramberg ein kommunales Wärmeplanungskonzept habe, verneinte Kälble, die Ausschreibung laufe aber derzeit. In einem solchen Konzept schaut man beispielsweise, ob und wie Abwärme aus Industriebetrieben genutzt werden kann, oder ob es für Gasleitungen eine Nachnutzungsmöglichkeit gibt.

Zum Schluss hatte Kälble noch eine gute Nachricht zur Trinkwasserversorgung in Schramberg: „Derzeit haben wir in Schramberg keine Trinkwasserknappheit und zudem ist die Wasserqualität sehr gut!“

Nach zweistündiger dichter Information waren die Zuhörer um einige Erkenntnisse reicher, vielleicht auch um den einen oder anderen Vorsatz?

Witkowski dankte Peter Kälble für seine Zeit und die fundierten Informationen. Als kleines Präsent überreichte die stellvertretende SPD-Vorsitzende Renate Much einen Weißwein für den Sommerabend und einen Rotwein mit Glühkräutern für den bevorstehenden spannenden Winter.

 
 

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